Die Hospizbewegung


Vor 100 Jahren wurde zu Hause geboren und gestorben. Das war nicht so ideal wie es klingt. Die Ärzte waren hilflos, sie hatten nur wenige Möglichkeiten, um die Leiden zu behandeln. Die Qualen der Schwerkranken linderte oft nur der Tod.

Im zwanzigsten Jahrhundert entwickelte die naturwissenschaftliche moderne Medizin die Idee, alle Krankheiten besiegen zu können. Somit wurde der Tod zur Niederlage. In den Krankenhäusern war kein Platz mehr für die Sterbenden. Sie wurden auf den Tod nicht vorbereitet, die häufig starken Schmerzen wurden nicht wahrgenommen. Zuletzt wurden sie abgeschoben und in Kammern vergessen, bis alles vorbei war.

Diese menschenverachtende Entwicklung führte zum Protest: In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen Pionierinnen anders zu denken. Dame Dr. Cicely Saunders, (geb.1918, gest. 2005) wird die Hospizidee zugeschrieben. Sie hatte während ihrer Berufstätigkeit als Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin immer wieder die oben beschriebenen Zustände schmerzlich erfahren müssen. 1967 eröffnete sie das Christopher`s Hospice in London, um ihre Idee in die Tat umzusetzen:

Aspekte der modernen Hospizbewegung, sind unter dem Begriff  "Palliativ Care" zusammengefasst. Palliativ Care heißt Behandlung, Pflege und Begleitung von Patienten, deren Krankheiten nicht mehr auf die so genannte kurative Behandlung ansprechen. Das Ziel ist, den Patienten und seinen Angehörigen größtmögliche Lebensqualität zu bieten.

Dr. Elisabeth Kübler-Ross, (geb. 1926, gest. 2004) brachte diese neue Ära der Medizin nach Amerika und von dort kam die Bewegung wieder nach Europa. In fast allen Ländern der Erde gibt es Palliativstationen, stationäre Hospize und ambulante Hospizvereine. Ihre Anzahl steigt kontinuierlich: 1996 gab es 30 Hospize und 28 Palliativstationen, 2004 waren es bereits 116 Hospize und 92 Palliativstationen.

Einrichtungen

Palliativstation

Eine Palliativstation ist immer an ein Krankenhaus angeschlossen. Aufnahmekriterien sind behandlungsbedürftige Zustände bei der Bewältigung von Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, unstillbarem Erbrechen, sowie die Linderung psychisch-seelischer, sozialer und geistig-spiritueller Probleme und Nöte. Rein pflegerische oder soziale Indikationen sind kein Grund zur Aufnahme. Aufgenommen werden Patienten im letzten Stadium einer unheilbaren Krankheit wie bösartige Tumorkrankheiten, Aids oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Die Krankenkassen übernehmen alle anfallenden Kosten. Die Verweildauer ist begrenzt; wenn sich das Befinden der Patienten stabilisiert, können sie nach Hause, in eine Pflegeeinrichtung oder in ein Hospiz entlassen werden. Verschlechtert sich der Zustand, werden sie auf der Station sterben.

Stationäres Hospiz

Ein stationäres Hospiz ist eine Einrichtung, in der Schwerkranke und Sterbende (mit ähnlichen Indikationen) in der Regel bis zu ihrem Tod bleiben können. Die Aufnahmekriterien für das Hospiz sind ähnlich wie auf der Palliativstation, doch diese Patienten brauchen keine Krankenhausbetreuung (kontinuierliche Anwesenheit der Ärzte.) Ihre Versorgung zu Hause oder im Pflegeheim ist jedoch nicht möglich. Die medizinische Begleitung übernehmen Hausärzte. Hospize sind unabhängig von der Institution Krankenhaus und haben unterschiedliche Träger. Die Kosten für einen Aufenthalt werden z. Zt. nicht voll von den Kassen übernommen; es existieren Mischfinanzierungen.

Die Palliativstation St. Johannes von Gott, ist an das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder angeschlossen und wurde 1991 (als erste und größte Einrichtung in Bayern) eröffnet. Sie hat 31 Betten. Das Johanneshospiz, dessen Träger auch das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder ist, wurde 2004 eröffnet. Es hat 12 Betten. Häufig können die von der Palliativstation entlassenen Patienten im Hospiz aufgenommen werden.



Seite drucken    zum Seitenanfang   Letzte Änderung am 16.05.2010