Das interdisziplinäre Team


Um das Konzept für Palliativ Care umzusetzen, arbeiten unterschiedliche Berufsgruppen zusammen: Das Kernteam der Pflegenden und Ärzte steht den Patienten am nächsten. Sie werden je nach Bedarf durch die Arbeit des erweiterten Team, das aus Atem-, Kunst- und (oder) Musiktherapie bestehen kann, mit jeweils eigener Gewichtung ergänzt. Dazu gehören außerdem die Vertreter der Sozialpädagogik, der Seelsorge und die ehrenamtlichen Hospizhelfer. In manchen Einrichtungen sind auch Psychologen, Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten tätig.

Teamarbeit

Die Integration der Palliativen Atemtherapie in das Kernteam hat einige Zeit gedauert. Heute hat sie ihren Platz gefunden. Ich arbeite eng mit dem Team zusammen. Nur in Teamarbeit kann ich den mir anvertrauten Menschen bestmöglich gerecht werden. Die Verbindung zum Pflegeteam ist eine gute Voraussetzung für meine Arbeit. Während meines Praktikum lernte ich nicht nur die praktischen Grundlagen der Pflege kennen, sondern auch meine Liebe zu ihr, denn: in der achtsamen Berührung haben Atemtherapie und Pflege gemeinsame Wurzeln.

Hilfreich für meine Arbeit sind mir außerdem Teamsupervision, gemeinsame Rituale und Feiern, sowie die kritische und wertschätzende Kommunikation untereinander. Letztendlich ist es ein tiefes Erlebnis, meine individuelle Arbeit in einer Gemeinschaft zu tun, deren Einzelmenschen in die gleiche Richtung schauen. Wir im Team bewegen uns in einem gemeinsamen Feld, in dessen Zentrum Menschen sind, die uns voran ihren letzten Weg gehen. Wir können sie auf diesem Weg begleiten, doch am Ende bleiben wir zurück. Auf einer tieferen Ebene verbindet uns der Tod, dieses geheimnisvolle Tor, durch das wir eines Tages auch selbst gehen werden.

Erstkontakt

Anders wie in der klassischen Atemtherapie kommen die Patienten nicht zu mir, sondern ich suche sie auf. Dem Erstkontakt kommt somit eine hohe Bedeutung zu; denn es muss eine Vertrauensebene aufgebaut werden. Atemtherapie ist den Patienten zumeist fremd und sie können sich nichts darunter vorstellen. Sie fürchten sogar häufig, es wäre anstrengend oder gar schmerzhaft. In der ersten Begegnung ist deshalb der Aufbau einer Vertrauensebene wichtig.

Die Vermittlung der Patienten geschieht in der Regel durch das Team, d.h. ich werde zu den Patienten geschickt. Den eher ängstlichen Patienten tut es gut, wenn meine Behandlung vom Arzt verordnet ist. Manchmal wird mir auch jemand „ans Herz gelegt“, andere erwarten mich schon, oder ich sie. Zufälle gibt es und Notfälle. Es gilt mit allem was ist, mit zu fließen.

An der Stationsübergabe der Ärzte und des Pflegeteams, nehme ich einmal wöchentlich teil. Dort höre ich, wie es den Patienten in ihrem aktuellen Prozess geht, wer neu aufgenommen und wer verstorben ist. Die Übergabe gibt mir wertvolle Informationen und hilft mir in den Fluss des Tagesgeschehens auf Station einzutauchen.

Wie die Arbeit gelingt

Gute Voraussetzungen für meine Arbeit habe ich in der Kollegialität und Offenheit meiner beiden Teams gefunden. Ebenso in den Einrichtungen, wo Mitmenschlichkeit und Spiritualität gelebt werden kann. Absolut notwendig für die Arbeit mit Schwerkranken und Sterbenden ist die Bereitschaft, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinander zu setzen. Jede echte Anteilnahme am Sterben eines Menschen stellt Fragen an das eigene Weltbild, Menschenbild und Gottesbild. Darauf Antworten zu finden ist eine Arbeit, die niemals aufhört, im Gegenteil, wir vertiefen sie seit Jahren in einem stationsinternen philosophischen Arbeitskreis.

Die Patienten

Die Patienten sind von schweren lebensbedrohlichen Krankheiten betroffen und zumeist schon lange bettlägerig. Ihre Krankheits- und Leidensgeschichten sind lange und es ist ihnen mehr oder weniger bewusst, dass sie in absehbarer Zeit sterben. Trotz bestmöglicher medizinischer und pflegerischer Bemühungen fühlen sie sich häufig schwach und gebrechlich und sind selbst für einfachste Verrichtungen auf Hilfe angewiesen. Ihr natürlicher Lebenssinn, der in gesunden Zeiten im Hintergrund steht, ist in höchster Alarmbereitschaft. Es treten viele Ängste und Unsicherheiten auf.

Die Angehörigen

Fast alle Patienten bringen Angehörigen und Freunde mit, die sie bisher gepflegt und betreut haben. Es ist nicht schwer zu sehen, in welcher Not auch sie sind. Darum beziehe ich die Angehörigen so weit wie möglich in die Behandlung mit ein.



Seite drucken    zum Seitenanfang   Letzte Änderung am 16.05.2010